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Am Mittwoch fand im ZKM I Zentrum für Kunst und Medien der shareBW Landeskongress statt, auf dem rund 200 Kongressteilnehmerinnen und Kongressteilnehmer mit Experten und Expertinnen über die ökonomische Nachhaltigkeit des Teilens diskutierten. Der shareBW Landeskongress war die insgesamt vierte Veranstaltung, die vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie dem Unternehmernetzwerk CyberForum initiiert wurde, um die Sharing Economy als Treiber des Digitalen Wandels zu fördern.

Die Highlights des Landeskongresses bildeten unter anderem die Keynotes von Ibrahim Evsan und Trebor Scholz sowie die Präsentation der Gewinnerprojekte des Ideenwettbewerbs shareBW.

Ist Teilen heutzutage einfacher?

Der Gedanke einer Ökonomie des Teilens ist nicht neu – schon archaische Gesellschaften nutzten Ressourcen gemeinsam und zogen daraus Vorteile für die Gemeinschaft. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der alle Güter verfügbar sind, heißt es umso öfter, dass nicht das Anhäufen von Besitz glücklich mache. Die Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten soll dieses Teilen noch einfacher machen: Immerhin erscheinen die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung so einfach wie noch nie, sodass sich in den letzten Jahren das Modell der Plattformökonomie durchgesetzt hat.

Eindrucksvolle und vielfach kritisierte Beispiele für Plattformökonomie sind die Taxifahrt-Vermittlungsplattform Uber oder die Übernachtungs-Plattform Airbnb. Dies sind nur zwei von vielen Geschäftsmodellen, die dem Begriff Sharing Economy zugeteilt werden. Doch wenn man genauer hinsieht, haben diese doch sehr wenig mit dem eigentlich altruistischen Gedanken der Sharing Economy zu tun. Brauchen wir also ein neues Verständnis? Und wohin soll es in Zukunft gehen?

„Erst wenn ich zufrieden mit mir selbst bin, brauche ich nicht mehr zu besitzen“

„Wer von Ihnen besitzt eigentlich eine Bohrmaschine?“, lautete die Frage, mit der Ibrahim Evsan seine Keynote eröffnete. Circa die Hälfte der anwesenden Personen hob daraufhin die Hand. Die weitere Frage, ob diese Bohrmaschine in den nächsten Wochen gebraucht wird, konnten nur wenige Personen aus dem Publikum bejahen. Tatsächlich verhält es in den meisten Haushalten so, dass die Nutzungszeit einer Bohrmaschine in den meisten Haushalten wohl in Minuten abzählbar ist.

Wäre es da nicht sinnvoller, so ein Gerät gemeinschaftlich mit anderen Menschen zu teilen? Ibrahim Evsan, Gründer und Digitalisierungsexperte, ist davon überzeugt, dass sich dieses neue Mindset in den nächsten 50 Jahren in Europa etablieren wird. So wird die Eigentumswelt sich, laut Evsan, immer mehr hin zu einer Nutzwelt entwickeln. Die Anfänge sind jetzt schon zu sehen: im Jahr 2017 nutzten schon 39 Prozent der Deutschen Sharing Economy Angebote. Was für Ibrahim Evsan allerdings noch ausgebaut werden muss, ist die staatliche Förderung von Sharing Econmy Projekten. Nur so können, laut Evsan, die rechtlichen Rahmenbedingungen, Sicherheit sowie Qualität gesichert werden. Das Ziel sei eine Sharing Economy zu leben, in welcher jeder gleichberechtigt teilnehmen kann.

Zurück zu den Wurzeln des Teilens

Für Trebor Scholz, Associate Professor an der The New School in New York, ist die Sharing Economy wie sie sich die Tage darstellt „eine Perversion dessen, was unter der wahren Sharing Economy verstanden wird“. Ferner noch sieht er eine Gefahr darin, dass Monopolisten, wie Uber die Sprache der Sharing Economy nutzen und dabei den eigentlichen, ursprünglichen Gedanken korrumpieren. Sie erwecken den Anschein von Altruismus, letztendlich würde aber eine Dienstleistung verkauft und prekäre Arbeitsverhältnisse geschaffen. Scholz betonte, dass sich dabei vor allem die Eigentumsmodelle solcher Plattformen verändern müssen und neue, ethisch vertretbare Geschäftsmodelle gefördert werden müssen. Nur so könne die Sharing Economy wieder zu ihren Wurzeln zurückgeführt werden.

Das Modell des Plattform-Kooperativismus ist dabei für Scholz ein tragbares Gegenmodell. Dabei sollen keine neuen Monopole erschaffen werden, vielmehr solle damit ein gesundes Wachstum vor Ort gesichert werden. Für Scholz herrschen gerade in Deutschland sehr gute Bedingungen derartige Kooperativen zu betreiben. Allerdings wird, so Scholz, das Konzept hierzulade noch nicht nachhaltig vorangetrieben, wie es dies beispielsweise in Italien oder Brasilien der Fall ist. Die Zukunft wird also zeigen, wohin es geht. Für Trebor Scholz allerdings ist klar: „Die Möglichkeit zu handeln besteht genau jetzt!“.

Sharing Economy – wohin des Weges?

Der Landeskongress shareBW zeigte eindrucksvoll, wie aktuell das Thema Sharing Economy ist und welcher Zukunftsmarkt in ihr steckt. Dabei sollte es nicht darum gehen, neue Monopole zu erschaffen. Vielmehr sollten die Blicke auf erfolgreiche Plattformen gelenkt werden die, ohne dass sie die Idee des Teilens aufgeben, existieren. Auch die Unterstützung von Startups, die die Grundidee des Sharings leben, wird immer wichtiger, um einen heterogenen Markt zu erschaffen, an dem Nutzerinnen und Nutzer gleichberechtigt teilnehmen können.