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Uber, AirBnb und jede Menge E-Scooter-Anbieter – die Sharing Economy boomt weltweit. Aber wie sieht es in Deutschland aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine aktuelle YouGov-Studie.

„Teilen statt Haben“ – das ist das Motto der Sharing Economy, die schon seit Jahren immer wieder neue Geschäftsmodelle hervor- und alte ins Wanken bringt. Das Prinzip ist dabei immer dasselbe: Anstatt sich Dinge zu kaufen und zu besitzen, nutzen Menschen diese lieber gemeinsam mit anderen. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere der Nachhaltigkeitsgedanke. Denn in Zeiten, in denen der Lebensraum in unseren Städten immer enger und Ressourcen knapper werden, müssen neue Wege beschritten werden.

Besonders deutlich werden die Vorteile der neuen Wirtschaftsform beim Car-Sharing. In der Bundesrepublik steht jedes Auto durchschnittlich 23 Stunden am Tag ungenutzt herum – und nimmt dabei jede Menge Platz in Anspruch. In einer fahrradfreundlichen Stadt wie Karlsruhe könnten beispielsweise durch den Verzicht auf fünf Autoparkplätze rund 50 Fahrradstellplätze geschaffen werden – und an dieser Stelle kommt das Car-Sharing ins Spiel: Man teilt sich ein Auto mit anderen, anstatt selbiges zu kaufen. Für den Einzelnen ist das günstiger, da man keine Versicherungen, Wartungskosten, Steuern und Parkgebühren mehr bezahlen muss. Die Allgemeinheit profitiert von deutlich weniger Fahrzeugen auf den Straßen und mehr öffentlichen Flächen. Auch die vorhandenen Ressourcen werden effizienter genutzt, denn während zur Zeit in einer Straße mit 30 Familien jede ein eigenes Auto vor der Tür stehen hat, reichen dann eventuell sieben Autos für alle. Diese werden dann aber auch rund um die Uhr genutzt und nicht nur eine Stunde pro Tag.

Sharing Economy in Deutschland

Aber wie beliebt ist das Sharing-Prinzip in Deutschland wirklich? YouGov kommt in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass immerhin 36 Prozent der Deutschen den Begriff “Sharing Economy” kennen und ein Fünftel mindestens einmal ein Sharing-Angebot genutzt hat. Genauso viele haben es noch vor. Wie zu erwarten, sind entsprechende Angebote insbesondere bei der jüngeren Generation beliebt: 67 Prozent der Sharing-Nutzer sind zwischen 18 und 44 Jahren alt. Nur 17 Prozent älter als 55.

Fast die Hälfte (47 Prozent) der Bevölkerung kennt Airbnb – und auch die Mitfahrzentrale BlaBlaCar sowie die Tausch- und Verkaufsplattform Kleiderkreisel genießen eine hohe Bekanntheit. Ebenfalls spannend zu sehen: Wer einmal ein Sharing-Angebot genutzt hat, tut dies im Regelfall wieder. Die „Absprungrate“ ist gering, die Zufriedenheit dementsprechend hoch.

Derzeit sind Sharing-Angebot laut YouGov vor allem in den Bereichen „Mobilität“ und „Reisen“ beliebt, während entsprechende Dienste im Bereich „Technik“ eher selten genutzt werden. In diesem Bereich sehen die Macher der Studie noch viel Potenzial für entsprechende Anbieter; ebenso bei „Haushalts- und Gartengeräten“.

Sharing Economy
Quelle: YouGov

Sharing Economy – nix für Egoisten

Hochkant-Foto mit zwei Frauen (blon und brünett) mit schwarzem Helm mit voi.-Logo und zwei E-Scootern (im Anschnitt), den die Frauen gerade schieben. Beide Frauen tragen einen langen Wintermantel und halten einen Strauß in Papier eingewickelter Blumen in der Hand. Die Frauen tragen zudem schwarze Handschuhe mit voi.-Logoaufdruck.
Immer beliebter, nicht nur in Großstädten: E-Scooter zum Leihen.

E-Scooter, die in Flüsse geworfen werden. Leih-Fahrräder, die Gehwege versperren. Investoren, die Wohnungen in zentralen Innenstadtlagen kaufen, nur um diese über Airbnb gewinnbringend zu vermieten. Die Liste der Negativschlagzeilen ist lang. Es vergeht fast kein Monat, in dem nicht in irgendeiner Form Kritik an den neuen Geschäftsmodellen der Sharing Economy laut wird.

Das Problem ist dabei immer dasselbe: der Mensch. Das Prinzip „Teilen statt Haben“ setzt nämlich voraus, dass die Menschen in erster Linie das Gemeinwohl im Blick haben – und nicht ihren persönlichen Vorteil. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der E-Scooter: Weil die Nutzer die elektrischen Tretroller nur für eine kleine Gebühr mieten und danach irgendwo unbehelligt abstellen können, gehen sie auch nicht besonders pfleglich damit um. Und wenn die E-Scooter dann Radwege blockieren oder umgeworfen auf Gehwegen liegen bleiben, wirkt sich das negativ auf die Sharing Economy insgesamt aus. Selbiges gilt für Investoren, die Airbnb nutzen, um ihre Eigentumswohnungen in prominenter Innenstadtlage gewinnbringend zu vermieten. Auch das widerspricht dem eigentlichen Sharing-Gedanken.

Damit die Sharing Economy auf Dauer funktioniert, muss auch bei den Menschen selbst ein Umdenken stattfinden.