Grundrisse, Wohnflächenberechnung, Energieausweis: Zwei Startups wollen einen der mühsamsten Prozesse der Immobilienwelt neu organisieren.
Von Ariane Lindemann
Wer schon einmal eine Immobilie finanzieren wollte, kennt das Spiel: Dokumente zusammensuchen, Grundrisse beschaffen, Wohnflächen nachrechnen lassen, Energieausweis organisieren. Wochen vergehen, manchmal Monate und irgendwo im Prozess wartet immer jemand auf Unterlagen, die noch fehlen.
An diesem Punkt treffen sich die Wege zweier Startups, die sich über das Netzwerk des CyberForum kennengelernt haben: meinhaus.digital und HYPOFY. Das eine Unternehmen kümmert sich darum, dass die notwendigen Gebäudedaten überhaupt schnell verfügbar sind. Das andere digitalisiert den gesamten Prozess der Baufinanzierung. Zusammen lösen sie ein Problem, das in der Immobilienwelt fast schon als Naturgesetz gilt: dass alles lange dauert.
Lösung für die, die sich keinen Architekten leisten können
Leonie Dowling und ihr Team von meinhaus.digital entwickeln etwas, das sie selbst einen digitalen Architekten nennen. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie radikal: Architektur soll kein Luxusgut mehr sein. „Nur etwa zehn Prozent der Menschen können sich heute einen klassischen Architekten leisten“, sagt Leonie. „Die anderen 90 Prozent bleiben mit ihren Bau- oder Renovierungsprojekten oft weitgehend auf sich allein gestellt.“ Das führt zu Problemen, die viele Bauherren kennen: fehlende Unterlagen, falsch kalkulierte Budgets, verzögerte Bauzeiten und nicht selten Stress, der ganze Familien belastet.
Die Lösung von meinhaus.digital setzt bereits zu einem frühen Zeitpunkt an. Mithilfe von KI-Modellen und automatisierten Prozessen analysiert die Plattform Immobilien, erstellt Renovierungsprognosen, entwickelt Architekturkonzepte und liefert die Unterlagen, die Banken für eine Finanzierung benötigen. Das Ganze innerhalb weniger Tage. Für Banken und Baufinanzierer ist das ein echter Vorteil. Denn saubere Objektdokumente beschleunigen den gesamten Prozess erheblich.
Die Digitalisierung der Baufinanzierung
Auch HYPOFY beschäftigt sich mit einem Prozess, der erstaunlich analog geblieben ist: der Baufinanzierung. „Das ist einer der letzten großen Finanzprozesse in Deutschland, der immer noch extrem schlecht digitalisiert ist“, sagt Fabian Sasse, Mitgründer des Startups.
Während viele Bankgeschäfte längst digital laufen, ist der Weg zur Immobilienfinanzierung oft noch von Papier, E-Mails und manuellen Prüfungen geprägt. HYPOFY will das ändern. Die Plattform Hypofy bringt alle Beteiligten auf einer digitalen Oberfläche zusammen: Finanzierungsberater, Kundinnen und Kunden sowie weitere Partner wie Immobilienmakler. Ziel ist es, Prozesse zu automatisieren, Informationen zentral verfügbar zu machen und Zeitfresser zu eliminieren.
Gerade die Beschaffung und Prüfung von Dokumenten kostet Berater oft enorme Zeit. Hier entsteht die Schnittstelle zu meinhaus.digital.
Eine Begegnung im Netzwerk
Kennengelernt haben sich die beiden Teams über das Netzwerk des CyberForum. Ein loser Kontakt entwickelte sich schnell zu einer Kooperation. Denn inhaltlich greifen beide Lösungen ineinander: Während HYPOFY den Finanzierungsprozess digitalisiert, sorgt meinhaus.digital dafür, dass die notwendigen Objektdaten überhaupt erst strukturiert vorliegen. Für die Nutzerinnen und Nutzer der Plattform Hypofy bedeutet das vor allem eines: weniger Aufwand und schnellere Entscheidungen. „Die Dokumentenbeschaffung ist einer der größten Zeitfresser im Finanzierungsprozess“, sagt Fabian. „Wenn unsere Kunden dort schneller an saubere Unterlagen kommen, hilft das allen Beteiligten.“
Aktuell testen beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit zunächst in kleinerem Rahmen: Auf der Plattform von HYPOFY können Finanzierungsberater ihre Kundinnen und Kunden direkt an meinHausdigital weiterleiten. So lässt sich beobachten, wie stark das Angebot tatsächlich genutzt wird und wie sich die Prozesse künftig noch enger verzahnen lassen.
Vom Accelerator zur Kooperation
Beide Startups haben außerdem eine Verbindung, die für viele junge Unternehmen entscheidend sein kann: den CyberLab Accelerator. Für Fabian war das Programm vor allem in der frühen Phase hilfreich. „Gerade am Anfang hilft es enorm, Ideen zu challengen und das Geschäftsmodell zu schärfen“, sagt er. Ein wichtiger Schritt war dabei auch der Zugang zur Frühphasenfinanzierung über BW Pre-Seed, der für beide Teams ein entscheidender Impuls war, um ihre Produkte weiterzuentwickeln.
Doch auch Jahre später wirkt das Netzwerk noch nach. Einige Mentoren begleiten die Unternehmen bis heute und bringen ihre Erfahrung weiterhin ein. „Wenn jemand die Entwicklung eines Startups über Jahre mitverfolgt hat, kann er ganz anders Feedback geben“, sagt Fabian.
Dieser Artikel wurde in Kooperation mit dem CyberLab Karlsruhe erstellt. Das CyberLab ist die zentrale Anlaufstelle für Startups und Gründungsinteressierte im IT-Bereich.
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