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Bevor die ersten Zeilen Code entstanden, stand für das Team von MAIQ vor allem eines im Fokus: zuhören. In mehr als 50 Deep-Dive-Interviews mit Anwält:innen wollte das Gründungsteam verstehen, wo im Kanzleialltag die größten Herausforderungen liegen. Aus diesen Gesprächen entstand ein Legal Operating System, das Kanzlei-Workflows automatisiert und so mehr Zeit für die eigentliche juristische Arbeit schaffen soll. m Interview sprachen wir mit dem MAIQ-Team und stellten ihm die bekannten zehn Gründerview-Fragen.

Euer Startup in einem Tweet?

MAIQ entwickelt das Legal Operating System für KI-native Kanzleien: Wir automatisieren Kanzlei-Workflows vom Mandanteneingang bis zur Abrechnung und geben Anwält:innen täglich 2 Stunden Zeit für das zurück, worin sie wirklich Wert schaffen – juristische Arbeit.

Wie ist eure Geschäftsidee entstanden; was war der initiale Funke?

Eigentlich begann die Idee schon vor MAIQ. Wir haben als Gründerteam bereits bei einem früheren Arbeitgeber gemeinsam eine KI-basierte SaaS-Lösung entwickelt, ein Corporate Startup als Innovation Hub aufgebaut und dort erlebt, wie viel Gestaltungskraft in kleinen, agilen Teams steckt. Als sich das Unternehmen strategisch neu ausrichtete, war für uns klar: Wir wollen weiter mit KI arbeiten! Aber nicht nur auf Nutzerseite, sondern auf Entwicklerseite. Wir wollten gestalten, ein echtes Problem lösen und etwas Eigenes aufbauen.

Den inhaltlichen Impuls brachte Sascha mit. Aus seiner Zeit als Fachanwalt einer Großkanzlei und Leiter einer Rechtsabteilung wusste er, wie viel hochqualifizierte juristische Arbeit im Alltag durch Koordination, Suchen und manuelle Prozesse ausgebremst wird. Uns war schnell klar: Genau hier liegt ein riesiges, bislang ungelöstes Potenzial.

Statt sofort eine Lösung zu bauen, haben wir zunächst über 50 Deep-Dive-Interviews mit Anwält:innen geführt, um das Problem wirklich im Kern zu verstehen. Aus diesen Gesprächen ist MAIQ entstanden.

Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden?

Aktuell sind wir ein Kernteam aus drei Gründer:innen plus zwei weiteren Teammitgliedern in AI und UX. Uns verbindet ein ungewöhnlich interdisziplinärer Mix aus Recht, Produkt, KI und Engineering und die gemeinsame Vorgeschichte aus früheren Projekten. Gefunden haben wir uns also nicht über ein „Founder Matching“, sondern über gewachsene Zusammenarbeit und geteilte Überzeugungen.

Wer profitiert von eurer Idee und warum?

Kurz gesagt: Kleine und mittelgroße Kanzleien, ihre Mitarbeitenden und am Ende auch deren Mandant:innen.

Anwält:innen gewinnen produktive Zeit zurück und können sich stärker auf juristische Wertschöpfung konzentrieren, Rechtsfachangestellte und Assistenzkräfte werden bei vielen operativen Routinen entlastet und Mandant:innen profitieren von effizienterer, schnellerer und damit kostengünstigerer Beratung.

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus – gibt es überhaupt schon so etwas wie einen „Alltag“?

„Alltag“ ist aktuell ein großes Wort. Zwischen Produktentwicklung, Design-Partner:innen-Akquise, Hospitationen in Kanzleien, Fundraising und operativem Aufbau gleicht kaum ein Tag dem anderen. Aber genau diese Mischung macht die Phase gerade so spannend.

Weshalb habt ihr euch für einen Accelerator wie das CyberLab entschieden?

Wir drei bringen zwar viel Berufs- und Projekterfahrung mit und starten definitiv nicht bei null, aber es ist unsere erste eigene Gründung. Und da gilt es, in sehr kurzer Zeit enorm viel zu lernen: zu Fundraising, Go-to-Market, Company Building und vielen Dingen, die jenseits von Produktentwicklung liegen.

Gerade deshalb ist Sparring mit externen Partnern, die selbst viel Erfahrung mitbringen, für uns extrem wertvoll. Uns überzeugte am CyberLab besonders diese Kombination aus kritischem Feedback, unternehmerischem Pragmatismus und starkem Netzwerk.

Und man spürt dort deutlich den IT- und Technologie-Fokus. Das passte sehr gut zu uns und den Themen, die wir mit MAIQ bearbeiten.

Welches Startup hat euch am meisten begeistert oder inspiriert?

Ehrlich gesagt nicht das eine. Was uns gerade besonders inspiriert, ist eher der Austausch mit vielen unterschiedlichen Gründer:innen, denen wir bei den unterschiedlichsten Startup-Events oder Programmen wie dem CyberLab Accelerator begegnen.

Man nimmt fast überall etwas mit: hier eine kluge Go-to-Market-Idee, dort ein guter Fundraising-Tipp, woanders eine beeindruckende Produktdenke oder einfach ein mutiger Umgang mit Unsicherheit. Diese vielen kleinen Learnings summieren sich enorm.

Vielleicht ist genau das gerade die größte Inspiration: nicht ein einzelnes Vorbild, sondern das Lernen im Gründer:innen-Ökosystem selbst.

Was ist der nächste große Schritt?

Die Validierung unseres MVP mit Design-Partner-Kanzleien im Mai und der Go-to-Market im September. Und parallel natürlich unsere erste Finanzierungsrunde, die gerade läuft, um dafür Geschwindigkeit aufzubauen.

Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen?

Überraschenderweise weniger über Produkt- oder Marktfragen als über formale Hürden rund um die Gründung selbst. Obwohl wir viele Prozesse sehr strukturiert vorbereitet haben, warten wir auch 2,5 Monate nach dem Notartermin noch auf unsere Steuernummer.

Das klingt banal, hat aber echte Auswirkungen: Ohne sie lassen sich bestimmte Förderprogramme oder formale Prozesse schlicht nicht anstoßen. Gerade in einer frühen Phase, in der Geschwindigkeit entscheidend ist, kann so etwas enorm bremsen.

Das war für uns schon ein Aha-Moment, wie sehr bürokratische Prozesse in Deutschland Innovation ausbremsen können, und ist ehrlich gesagt auch ein Bereich, an dem dringend gearbeitet werden sollte.

Habt ihr einen Rat oder Tipp an andere Gründer:innen?

Früh mit echten Nutzer:innen sprechen. Sehr früh. Noch früher als man denkt. Viele Annahmen wirken im Kopf plausibel und lösen sich in echten Gesprächen schnell auf. Und: lieber früh etwas Unperfektes zeigen als lange im stillen Kämmerlein optimieren.