Lesedauer ca. 5 Minuten

Digitale Arbeitssicherheit für den Mittelstand

Arbeitssicherheit ist für Unternehmen unverzichtbar, wird in der Praxis aber noch häufig mit Excel-Listen, Papierordnern und voneinander getrennten Einzellösungen organisiert. Das Karlsruher Startup AMS Go will das ändern: Mit einer modularen Cloud-Plattform, einer mobilen App und KI-gestützten Funktionen digitalisiert das Team zentrale Prozesse im betrieblichen Arbeitsschutz.

Im Interview sprachen wir mit dem Gründerteam Kim Marius Gräfe, Frank Hufnagel, Lukas Klein und Benjamin Kostrzewa und stellten ihnen die bekannten zehn Gründerview-Fragen.

Euer Startup in einem Tweet?

AMS Go macht Arbeitssicherheit für mittelständische Unternehmen einfach, digital und praxistauglich. Unsere Cloud-Plattform verbindet Gefährdungsbeurteilungen, Begehungen, Maßnahmen, Betriebsanweisungen und Gefahrstoffe in einem System – mobil nutzbar, revisionssicher dokumentiert und intelligent durch KI unterstützt.

Wie ist eure Geschäftsidee entstanden; was war der initiale Funke?

Der initiale Funke kam direkt aus der Praxis. Unser Mitgründer Kim arbeitet seit vielen Jahren als Sicherheitsingenieur und Fachkraft für Arbeitssicherheit. Dabei hat er immer wieder erlebt, wie viel Zeit in Excel-Tabellen, Word-Dokumenten, Papierordnern und manueller Nacharbeit verloren geht. Informationen liegen an unterschiedlichen Stellen, Maßnahmen werden per E-Mail nachverfolgt und Dokumentationen müssen für Audits mühsam zusammengesucht werden. Gemeinsam mit drei Freunden aus der IT entstand daraus die Frage: Warum gibt es keine moderne Lösung, die fachlich wirklich aus der Arbeitssicherheit heraus gedacht ist und trotzdem so einfach funktioniert wie die Software, die wir aus unserem privaten Alltag kennen? Aus dieser Frage wurde zunächst ein Prototyp – und schließlich AMS Go.

Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden?

Wir sind vier Gründer: Kim Marius Gräfe bringt die fachliche Expertise aus Arbeitssicherheit und Brandschutz sowie den direkten Zugang zu den täglichen Herausforderungen unserer Kunden mit. Frank Hufnagel und Lukas Klein verantworten große Teile der technischen Entwicklung, Softwarearchitektur und Cloud-Plattform. Benjamin Kostrzewa kümmert sich schwerpunktmäßig um Produkt, Strategie, Vertrieb und Partnerschaften. Kennengelernt haben wir uns lange vor der Gründung über das Studium und gemeinsame berufliche Berührungspunkte. Das ist für uns ein großer Vorteil: Wir ergänzen uns fachlich, kennen uns persönlich sehr gut und können auch in intensiven Phasen offen und direkt miteinander arbeiten.

Wer profitiert von eurer Idee und warum?

AMS Go richtet sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen aus Produktion, Logistik und Verwaltung, die Arbeitssicherheit professionell organisieren müssen, aber keine schwergewichtige Konzernsoftware einführen möchten. Fachkräfte für Arbeitssicherheit sparen Zeit bei Dokumentation und Nachverfolgung, Führungskräfte erhalten Transparenz über offene Maßnahmen und Beschäftigte profitieren von klaren, aktuellen Informationen und sichereren Arbeitsplätzen. Besonders wichtig ist uns, dass die Lösung nicht nur im Büro funktioniert: Begehungen, Fotos, Checklisten und Aufgaben können direkt vor Ort per App erfasst und ohne Medienbruch weiterverarbeitet werden.

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus – gibt es überhaupt schon so etwas wie einen “Alltag”?

Einen vollständig planbaren Alltag gibt es noch nicht – aber inzwischen klare Schwerpunkte. Ein Teil des Teams entwickelt die Plattform und die mobilen Anwendungen weiter, während andere mit Kunden sprechen, Einführungen begleiten oder neue Partnerschaften aufbauen. Dazwischen liegen Produktentscheidungen, CyberLab-Sessions und sehr viel Feedback aus der Praxis. Seit unserem Umzug in den Alten Schlachthof in Karlsruhe arbeiten wir häufiger gemeinsam vor Ort. Das hilft uns, Entscheidungen schnell zu treffen und gleichzeitig nah am Karlsruher Startup-Ökosystem zu sein. Was unseren Alltag prägt: morgens kann es um eine neue KI-Funktion gehen, mittags um eine Kundenbegehung und am Nachmittag um eine strategische Finanzierungs- oder Vertriebsfrage.

Weshalb habt ihr euch für einen Accelerator wie das CyberLab entschieden?

Wir hatten früh ein funktionierendes Produkt und sehr viel Fachwissen – wollten aber beim Aufbau eines skalierbaren Softwareunternehmens nicht jeden Fehler selbst machen. Das CyberLab bietet uns genau die Mischung aus ehrlichem Sparring, erfahrenen Mentorinnen und Mentoren, methodischem Wissen und einem starken Netzwerk in die regionale Wirtschaft. Für uns ist besonders wertvoll, dass hier Technologie und Industrie zusammenkommen. Viele unserer potenziellen Kunden sind mittelständische Produktionsunternehmen, deshalb passt das Umfeld rund um Smart Production und das CyberForum sehr gut zu AMS Go. Gleichzeitig hat das Programm unseren Schritt nach Karlsruhe und die Vernetzung vor Ort deutlich beschleunigt.

Welches Startup hat euch am meisten begeistert oder inspiriert?

Uns beeindruckt besonders Clipchamp, das unter anderem von Tobias Raub gegründet wurde. Clipchamp zeigt, wie aus einer technologischen Idee ein weltweit erfolgreiches, intuitiv bedienbares Softwareprodukt entstehen kann. Besonders inspirierend finden wir, dass das Team seine ursprüngliche Geschäftsidee grundlegend weiterentwickelt und daraus eine Plattform aufgebaut hat, die später von Microsoft übernommen wurde. Diese Kombination aus technologischer Exzellenz, konsequenter Nutzerorientierung und der Bereitschaft, das eigene Geschäftsmodell immer wieder zu hinterfragen, ist auch für uns ein großes Vorbild. Umso mehr freuen wir uns, dass Tobias uns heute im Rahmen eines Mentorings über das CyberLab mit seiner Erfahrung unterstützt.

Was ist der nächste große Schritt?

Der nächste große Schritt ist, aus erfolgreichen Einführungen bei ersten Industriekunden einen wiederholbaren Rollout für viele mittelständische Unternehmen zu machen. Dafür bauen wir unsere Self-Service-Funktionen, standardisierte Einführungsprozesse und Integrationen weiter aus. Produktseitig stehen zusätzliche KI-Funktionen, ein noch stärker vernetztes Gefahrstoffmanagement und weitere mobile Prozesse auf der Roadmap. Unser Ziel ist klar: AMS Go soll sich als die unkomplizierte digitale Arbeitsschutzlösung für den deutschen Mittelstand etablieren – vom ersten Standort bis zum standortübergreifenden Einsatz.

Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen?

Eine der größten Herausforderungen war, die enorme fachliche Tiefe der Arbeitssicherheit in ein Produkt zu übersetzen, das trotzdem einfach bleibt. In fast jedem Unternehmen gibt es gewachsene Sonderprozesse. Als Startup muss man lernen, genau zuzuhören, ohne für jeden Einzelfall sofort eine individuelle Funktion zu bauen. Ein weiterer Stolperstein war die Priorisierung: Produktentwicklung, Vertrieb, Recht, Finanzierung und Kundenbetreuung sind gleichzeitig wichtig, die Ressourcen aber begrenzt. Geholfen haben uns eine klare Aufgabenteilung im Gründerteam, frühe Pilotkunden und die Bereitschaft, Annahmen schnell durch echtes Nutzerfeedback zu überprüfen.

Habt ihr einen Rat oder Tipp an andere Gründer:innen?

Gründet mit Menschen, denen ihr vertraut, mit denen euch die Arbeit Spaß macht und die andere Stärken mitbringen als ihr selbst. In schwierigen Phasen ist ein belastbares Team wichtiger als jede einzelne Produktidee.

Über AMS Go

Die AMS Go GmbH mit Sitz im Alten Schlachthof in Karlsruhe entwickelt eine modulare Cloud-Plattform für digitalen Arbeitsschutz. Unternehmen können unter anderem Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen, Begehungen, Maßnahmen, Besuchermanagement und Gefahrstoffe zentral und revisionssicher verwalten. Mobile Apps und KI-gestützte Funktionen reduzieren manuelle Arbeit und vermeiden Medienbrüche.

Website: www.amsgo.de