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Stundenlange Abstimmungen, komplizierte Schichtpläne und zahlreiche manuelle Prozesse gehören in vielen Fertigungsbetrieben zum Alltag. Gleichzeitig sind leistungsfähige Planungslösungen oft teuer, komplex und für kleine und mittlere Unternehmen nur schwer zugänglich. Das Karlsruher Startup onsector möchte diese Lücke schließen und die Schicht- und Ressourcenplanung für Fertigungsbetriebe vollständig automatisieren. Im Interview sprachen wir mit onsector-Founder Vladyslav Pakhalovych und stellten ihm die bekannten zehn Gründerview-Fragen.

Euer Startup in einem Tweet?

Wir automatisieren Schicht- und Ressourcenplanung für Fertigungsbetriebe vollständig. Was heute Stunden kostet und fehleranfällig ist, erledigt unsere Software in unter einer Minute. Zuverlässig, nachvollziehbar, bezahlbar.

Wie ist eure Geschäftsidee entstanden; was war der initiale Funke?

Die Idee kam direkt aus der Praxis. Als Projektingenieur in der Kosmetikproduktion habe ich immer wieder die Abteilungsleitung vertreten und damit die volle Verantwortung für die Ressourcenplanung übernommen. Was mich dabei am meisten überrascht hat: Wie viel Arbeitszeit allein in die Koordination floss. Über 50 Personalstunden täglich, verteilt auf viele Köpfe und Systeme, die nicht miteinander kommunizieren. Gleichzeitig waren die Alternativen auf dem Markt sechsstellig im Preis und meistens so komplex in der Integration und Bedienung, dass die Hürde für Unternehmen zu groß war. Zusätzlich decken die meisten Anbieter die speziellen Anforderungen der Kosmetik-, Lebensmittel- oder Pharmaindustrie gar nicht erst ab. Das wollten wir ändern.

Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden?

Wir sind ein Team aus drei Gründern. Die Komplexität unserer Lösung verlangt hohe Softwarekompetenz und die wollte ich nicht dem Zufall überlassen. Ich habe mich deshalb an zwei Freunde aus meiner Schulzeit gewandt, die ich schon lange kenne: Beide haben Informatik studiert, beide haben danach in der Industrie Erfahrung gesammelt. Mit Ihnen hatte ich ein Team den ich komplett vertrauen kann, was besonders in der Anfangsphase eines Unternehmens enorm wichtig ist.

Wer profitiert von eurer Idee und warum?

Vor allem kleine und mittlere Fertigungsbetriebe. Diese arbeiten oft mit denselben komplexen Prozessen wie große Konzerne, aber ohne deren Budget für teure Planungssoftware. Genau dort, wo Ressourcen knapp sind, tut schlechte Planung besonders weh. Mit unserer Lösung holen wir die Automatisierung in eine Unternehmensgrößenklasse, für die es das bisher schlicht nicht gab.

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus – gibt es überhaupt schon so etwas wie einen „Alltag“?

Ein gleichmäßiger Rhythmus hat sich noch nicht eingestellt. Jeder im Team hat seinen Bereich, aber die tatsächlichen Prioritäten sind sehr dynamisch. Ein Kundengespräch kann die Woche umstrukturieren, eine bevorstehende Messe setzt andere Schwerpunkte, eine neue Kampagne erfordert plötzlich alle. Das erfordert Flexibilität und das Vertrauen, dass das Team auch dann funktioniert, wenn sich der Plan ändert.

Weshalb habt ihr euch für einen Accelerator wie das CyberLab entschieden?

Als junges Startup ist man in hohem Maß auf das eigene Netzwerk angewiesen und das ist eben etwas, das man nicht einfach kaufen kann. Es wächst über Zeit, Vertrauen und die richtigen Kontakte. Ein Accelerator wie das CyberLab bietet genau das: ein gewachsenes Netzwerk von über 1.200 Unternehmen, erfahrene Mentoren:innen mit echter Unternehmenspraxis und eine Struktur, die dabei hilft, diese Lücke gezielt zu schließen. Hinzu kommt, dass ich seit über neun Jahren in Karlsruhe lebe und als ich sah, wie stark dieses Ökosystem direkt vor Ort ist, war es eigentlich naheliegend, genau hier anzusetzen.

Welches Startup hat euch am meisten begeistert oder inspiriert?

Chrono24 hat mich schon länger fasziniert und das lange bevor ich wusste, dass das Unternehmen in Karlsruhe sitzt und Mitglied im CyberForum ist. Als Kind habe ich Uhren geliebt, das Ingenieurstudium hat meine Begeisterung für mechanische Uhrwerke noch weiter vertieft. Ich habe dementsprechend einige Zeit auf Chrono24 verbracht. Was mich dabei immer beeindruckt hat: Wie es dem Team gelungen ist, einen Markt, der sehr exklusiv und traditionell war, mit einer Softwarelösung für eine breite Käufergruppe zu öffnen. Dieser Gedanke, einen geschlossenen Markt zugänglich zu machen, ist auch unser Antrieb. Nur dass wir das eben für die Produktionsplanung in kleinen und mittgroßen Unternehmen tun wollen.

Was ist der nächste große Schritt?

Wir stehen kurz vor der Veröffentlichung einer Demo-Version unserer Software. Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer sehen will, was unsere Software wirklich leistet, soll das selbst erleben können. Das ganz einfach ohne Erstgespräch und ohne Demo-Termin. Die Software läuft auf allen Geräten und führt den Nutzer mit klaren Anleitungen durch die Funktionen. Unser Ziel ist es, die Demo bis Ende Mai auf unserer Website verfügbar zu machen.

Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen?

Die größten Hindernisse waren von bürokratischer Natur. Wir sind als Team über verschiedene Städte verteilt, haben alle in Vollzeit gearbeitet und wollten die Gründung der GmbH deshalb vollständig digital abwickeln. Was technisch heute möglich sein sollte, war in der Praxis ein langer Weg: Notar finden, der sich mit dem digitalen Verfahren auskennt, den digitalen Prozess vorbereiten und für alle Beteiligten koordinieren, digitale Signaturen für die Gründungsdokumente anfordern. Insgesamt hat das ein halbes Jahr gedauert. Ich hoffe, das wird für zukünftige Gründer:innen irgendwann einfacher.

Habt ihr einen Rat oder Tipp an andere Gründer:innen?

Wer B2B-Software an die produzierende Industrie verkauft, sollte Social Media nicht überschätzen. Diese Branche entscheidet nicht aufgrund von LinkedIn-Posts. Sie entscheidet auf Basis von Vertrauen und persönlichem Kontakt. Nutzt die Netzwerke, die ihr schon habt, zeigt euch auf Messen und Fachveranstaltungen. Online lohnt sich vor allem eine konsequent SEO-optimierte Website. Die arbeitet dauerhaft für euch und bringt genau die Menschen auf eure Seite, die bereits aktiv nach einer Lösung suchen, ohne dass ihr jeden Monat ein Werbebudget verbrennen müsst.