Leidenschaft für Tennis endet längst nicht mit dem Matchball. Doch obwohl Millionen Fans jedes Turnier verfolgen, gibt es bislang kaum einen digitalen Ort, der sie wirklich zusammenbringt. Das Karlsruher Startup ScoreGO möchte genau das ändern mit einer Community-Plattform für Tennisfans weltweit. Im Interview sprachen wir mit ScoreGO-Gründerin Juliane und stellten ihr die bekannten zehn Gründerview-Fragen.
Euer Startup in einem Tweet?
You’re not the only one who cares this much about tennis! 🎾 ScoreGO ist das digitale Zuhause für alle, die bei den Australian Open um 3 Uhr nachts mitfiebern, jedes Match ihres Lieblingsspielers verfolgen und niemanden haben, der das versteht. Mit einer echten Fan-Community, Live-Scores und exklusiven Einblicken in die Tennis-Profi-Tour.
Wie ist eure Geschäftsidee entstanden; was war der initiale Funke?
Mein Mitgründer Julien und ich lieben Tennis. Wir spielen zusammen, schauen zusammen, diskutieren stundenlang über Matches. Irgendwann haben wir nach einer App gesucht, die das alles zusammenbringt und wir haben keine gefunden, die uns gefallen hat. Alle Apps waren überladen und unpersönlich oder behandelten Tennis nur als “Nebenprodukt”. Also haben wir angefangen, unsere eigene App zu bauen, erstmal als Side Project neben dem Studium. Aber dabei haben wir etwas gemerkt, das viel größer war als eine einfache Score-App. Die gesamte Tennis-Fan-Community wurde übersehen. So viele Menschen lieben diesen Sport, aber es gab keinen digitalen Ort, der sie verbindet. Turniere wissen oft nicht mal, wer ihre Fans sind. Spieler:innen haben keinen Draht zu den Menschen, die bis nachts um drei ihre Matches verfolgen. Fans denken, dass sie die einzigen sind, die das machen. Und genau diese Lücke schließen wir mit ScoreGO.
Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden?
Wir haben zu zweit gegründet und ScoreGO zu 100 % inhouse entwickelt. Julien bringt den IT-Background mit und ist zudem schon sehr lange als Spieler in der Tenniswelt unterwegs. Ich komme aus der Psychologie und habe meinen Master in Cognitive Science mit Fokus auf Human-Computer-Interaction gemacht. Mich interessiert besonders die Psychologie hinter den Community-Dynamiken und ich beschäftige mich viel damit, wohin sich Social Media aktuell entwickelt. Wir ergänzen uns also sehr gut. Inzwischen unterstützen uns zwei tolle Praktikantinnen in den Bereichen Social-Media-Marketing, Performance Marketing sowie im Community Management in der App.
Wer profitiert von eurer Idee und warum?
Die gesamte Tennisbranche! ScoreGO vereint Fans, Turnierveranstaltende, Marken und Spieler:innen auf einer gemeinsamen digitalen Plattform und schafft damit erstmals ein echtes digitales Ökosystem für den Tennissport. Konkret: Fans bekommen endlich einen Ort, an dem ihre Leidenschaft die Baseline ist (pun intended! :)) und nicht die Ausnahme. Unsere Partner treten über unser Community-as-a-Service-Modell direkt mit ihren Fans in Verbindung, ganz ohne Streuverluste. Denn auf ScoreGO sind alle User begeisterte Tennisfans, die bewusst dort sind und nicht zufällig vom Algorithmus hingespült wurden.
Und für Spieler:innen ist ScoreGO genauso spannend: Auf den meisten Plattformen müssen sie quasi zu Content Creatorn werden, um sichtbar zu bleiben. Bei uns entsteht Sichtbarkeit auf dem Platz, nicht nur im Feed. Wer möchte, teilt Behind-the-Scenes-Einblicke, aber zu eigenen Bedingungen. Und die Fan-Loyalität lässt sich direkt monetarisieren, über Sponsorenplatzierungen und exklusiven Content.
Wir positionieren uns ganz aktiv gegen Hate Speech und Polarisierung. Wir vereinen einfach tennisbegeisterte Menschen basierend auf einer gemeinsamen Leidenschaft!
Wie sieht euer Arbeitsalltag aus – gibt es überhaupt schon so etwas wie einen „Alltag”?
Wir starten meistens erst um 8 Uhr mit einem Kaffee in den Tag, weil wir abends oft lange arbeiten und ausreichend Schlaf zur Routine einfach dazugehört. Gründen ist ein Marathon und kein Sprint. Ich weiß, den Satz haben wir alle schon gehört, aber er stimmt einfach. Wenn wir jede Nacht nur 5 Stunden schlafen und um 5 Uhr wieder aufstehen würden, würden wir das Ganze vielleicht ein Jahr durchhalten, aber danach wären wir kaputt.
Aktuell arbeiten wir 100 % remote. Mein Tag füllt sich mit Meetings mit potenziellen Partnern und Investor:innen, Community Management und allem, was nötig ist, um ScoreGO sichtbar zu machen. Julien entwickelt derweil die umfangreiche Technologie dahinter weiter. Ich habe täglich 100 Ideen, Julien macht daraus die richtigen Features. Wir pushen uns gegenseitig und das macht richtig Spaß!
Weshalb habt ihr euch für einen Accelerator wie das CyberLab entschieden?
Wir wussten früh, dass wir als Plattform die Skalierung brauchen. Das lässt sich nicht bootstrappen, denn Netzwerkeffekte greifen erst, wenn die Userzahlen stimmen. Deshalb war unser Plan von Anfang an, eine Finanzierung zu erhalten. Als wir mit ScoreGO ins CyberLab Accelerator Programm starteten, waren wir noch ein klassisches Side Project: zwei tennisbegeisterte Studierende mit einer Idee und einer App im App Store. Das CyberLab hat uns geholfen, daraus ein echtes, skalierbares Business zu machen. Es war der Startschuss in Richtung Professionalisierung. Wir haben wertvolles Feedback bekommen, erste Türen wurden geöffnet und wir wurden mit erfahrenen Menschen vernetzt. Am Selection Day wurden wir direkt mit unserem ersten Business Angel gematcht, mit dem wir uns dann auch gemeinsam die Startup BW Pre-Seed Finanzierung gesichert haben. Seitdem haben wir erste Partnerschaften im DACH-Raum aufgebaut, u.a. mit großen Tennisverbänden, Brands wie Asics und einigen weiteren Turnieren und Brands. Die App ist in 6 Sprachen auf iOS und Android und im Web verfügbar und unsere internationale Community wächst.
Welches Startup hat euch am meisten begeistert oder inspiriert?
Es fällt mir schwer, da eines rauszugreifen. Wir schauen uns alle möglichen Branchen an! Als North Stars würde ich dann aber Strava und OneFootball nennen. OneFootball, weil es die Fan-Identität so sehr hervorstellt und den Profisport für alle erlebbarer macht. Und Strava wegen ihrer Community-Philosophie. Eine Plattform, die Menschen durch eine echte geteilte Leidenschaft verbindet. Strava hat bewiesen, dass dedizierte, themenspezifische Communities funktionieren und dass der Trend weg von generalistischen Social-Media-Plattformen hin zu solchen Orten geht. Genau diese Plattform bauen wir für Tennis.
Was ist der nächste große Schritt?
Der nächste große Schritt wird die nächste Finanzierungsrunde im Herbst. Gleichzeitig bauen wir unser Community-as-a-Service-Modell weiter aus. Immer mehr Brands, Turniere und Verbände wollen eine eigene Community aufbauen, aber die wenigsten haben eine passende Lösung dafür. In diese Richtung passiert gerade super viel bei uns. Außerdem arbeiten wir an neuen Features rund um Athlet:innen und die Creator Economy, welche eine ganz neue Art der Verbindung zu Fans ermöglichen. Das Feedback von Athlet:innen, mit denen wir das gerade testen, ist vielversprechend, aber mehr können wir noch nicht verraten. Also: Stay tuned!
Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen?
Einen der teuersten Fehler haben wir gleich am Anfang gemacht. Als Studierende ohne viel Erfahrung haben wir vor der Veröffentlichung der App alle rechtlichen Dokumente, also AGB, Datenschutz, Impressum und sogar den Gesellschaftervertrag, von einer teuren, großen Anwaltskanzlei erstellen lassen. Kostenpunkt: oberer vierstelliger Bereich. Damit war fast unser gesamtes Stammkapital am Tag der Gründung bereits aufgebraucht. Das würden wir heute anders machen! Es gibt günstigere und trotzdem seriöse Wege, rechtliche Basics abzudecken – zum Beispiel über geförderte Beratungsangebote.
Habt ihr einen Rat/Tipp an andere Gründer:innen?
Hier möchte ich LinkedIn Mitgründer Reid Hoffman zitieren: “If you’re not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late.”
Das können wir so unterschreiben. Einfach anfangen, auch wenn es sich noch nicht perfekt anfühlt. Macht auf euch aufmerksam. Fragt den Markt, nicht die Mama. Schreibt Menschen auf LinkedIn an, geht auf Events (aber auf die richtigen). Wir haben am meisten mitgenommen, wenn wir dort waren, wo unsere Partner und unsere Zielgruppe unterwegs sind. Habt ein konkretes Ziel, lasst euch connecten und sagt “Ja” zu Gelegenheiten, auch wenn sie sich erstmal unbequem anfühlen. Oder um es kurz zu sagen: Jump in first, panic second.
Für alle, die sich selbst von der App überzeugen wollen:
Onelink (leads to either Apple App Store or Google Play Store): https://scorego.onelink.me/8khI/4afht76p
Web-App: https://scorego-app.com/


















