Lesedauer ca. 5 Minuten

Künstliche Intelligenz beantwortet längst nicht mehr nur Fragen oder schreibt Texte. Die nächste Entwicklungsstufe arbeitet im Hintergrund – selbstständig und oft nahezu unsichtbar. KI-Agenten gelten derzeit als eines der spannendsten Zukunftsthemen der digitalen Arbeitswelt. Sie organisieren Abläufe, verarbeiten Informationen, automatisieren Prozesse und treffen vorbereitende Entscheidungen. Und sie verändern schon heute die Art, wie Unternehmen arbeiten. Wie konkret das bereits aussieht, zeigen Jasmin Drogat und Leon Rocca vom Stuttgarter Deep-Tech-Startup AlgebraX. Das Unternehmen begleitet Organisationen bei der Einführung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz – von Forschungs- und Entwicklungsprojekten über strategische Beratung bis hin zu praxisnahen KI-Lösungen für den Unternehmensalltag.

Von Ariane Lindemann 

„Der große Unterschied ist, dass ein KI-Agent wirklich eigenständig handeln kann“, erklärt Jasmin Drogat, PR-Managerin bei AlgebraX. Während ChatGPT oder ähnliche Systeme oft nachfragen, wie es weitergehen soll, arbeiten KI-Agenten selbstständig weiter. „Man gibt ihnen ein Ziel und sie erledigen den Prozess im Hintergrund selbst.“

KI-Agenten sind vielerorts bereits Realität. Dabei geht es nicht um humanoide Roboter oder Science-Fiction-Szenarien, sondern häufig um erstaunlich alltägliche Aufgaben. Ein Agent kann beispielsweise eingehende Dokumente automatisch sortieren, Daten aus verschiedenen Quellen zusammentragen oder Mitarbeitenden Antwortvorschläge für den Kundenservice liefern. Unsichtbar im Hintergrund. „Man kann sich das vorstellen wie einen digitalen Mitarbeitenden im Computer“, sagt Leon Rocca, AI Solution Architect bei AlgebraX. „Die Oberfläche verschwindet, aber der Agent arbeitet einfach im Hintergrund weiter.“

Hinter den Projekten steht ein Team, das sich darauf spezialisiert hat, neue KI-Anwendungen aus der Forschung in die Praxis zu bringen. Gemeinsam mit Forschungs- und Netzwerkpartnern arbeitet das Unternehmen daran, neue KI-Anwendungen aus der Forschung in die Praxis zu bringen und Unternehmen beim KI-getriebenen Wandel zu unterstützen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Befähigung von Mitarbeitenden, KI nicht nur zu nutzen, sondern selbst aktiv mitzugestalten.

Der digitale Mitarbeitende zieht ein

Gerade im deutschen Mittelstand stoßen solche Systeme derzeit auf enormes Interesse. Denn viele Unternehmen stehen gleichzeitig unter Druck: Fachkräftemangel, steigende Anforderungen, zunehmende Datenmengen und Prozesse, die oft noch stark manuell organisiert sind. Hier beginnt sich die Arbeitswelt gerade grundlegend zu verändern.

Besonders großes Potenzial sehen Jasmin und Leon beim Thema Wissensmanagement. In vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen liege wertvolles Wissen bis heute vor allem „in den Köpfen der Mitarbeitenden“. KI-Systeme könnten helfen, dieses Wissen zugänglich zu machen und langfristig zu sichern. „Das Potenzial liegt weiterhin im Wissen der Mitarbeitenden. Mittels KI-gestütztem Wissensmanagement kann man es für alle zugänglich machen, ohne auf umständliche analoge Verwaltungssysteme wie Akten und Ordner zugreifen zu müssen“, sagt Jasmin.

Was Unternehmen jetzt falsch machen können

Die Entwicklung schreitet dabei rasant voran. Leon beobachtet bereits heute Unternehmen, die mit minimalen Teams enorme Umsätze erzielen – unterstützt durch automatisierte Prozesse und digitale Agentensysteme. Gleichzeitig warnt er davor, KI nur als Hype zu betrachten. „Ein KI-Projekt ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil KI draufsteht“, sagt er. Entscheidend sei, ob Prozesse tatsächlich besser, effizienter oder einfacher werden. „Wenn eine Abteilung plötzlich schneller arbeitet, aber eine andere den entstandenen Fehlerberg aufräumen muss, dann ist nichts gewonnen.“

Deshalb gehe es bei erfolgreichen KI-Projekten weniger um spektakuläre Technologie als um gute Prozesse, klares Change-Management und die richtige Integration in bestehende Arbeitsabläufe. Vor allem Mitarbeitende müssten mitgenommen werden. „Viele erwarten, dass ein KI-System sofort perfekt funktioniert“, sagt Leon. „Aber das ist unrealistisch. Man muss mit den Systemen arbeiten wie mit neuen Mitarbeitenden: Feedback geben, lernen, anpassen.“

KI wird benutzerfreundlich

Dass KI-Agenten künftig eine immer größere Rolle spielen werden, daran zweifeln beide nicht. Besonders spannend sei dabei die Entwicklung, dass Mitarbeitende zunehmend selbst kleine Automatisierungen bauen könnten. Und das ganz ohne klassische Programmierkenntnisse.

Tools wie n8n oder Microsoft Copilot Studio seien bewusst so gestaltet, dass auch Nicht-Entwickler damit arbeiten können. „Das Ziel ist Enablement“, sagt Leon. „Es geht nicht darum, dass Unternehmen dauerhaft von uns abhängig sind. Es geht darum, dass Menschen verstehen: Sie selbst können handlungsfähig werden.“ Gerade deshalb spiele Benutzerfreundlichkeit eine entscheidende Rolle. Jasmin vergleicht die Entwicklung mit früheren Software-Revolutionen: „Irgendwann gehörten ERP-Systeme oder Projektmanagement-Tools einfach zum Alltag. Genau an diesem Punkt stehen wir jetzt auch bei KI-Agenten.“ Für AlgebraX steht dabei ein pragmatischer Ansatz im Mittelpunkt: keine unnahbare Blackbox-Technologie, sondern Lösungen, die Unternehmen verstehen, einsetzen und eigenständig weiterentwickeln können.

Die Risiken hinter der Automatisierung

Trotz aller Euphorie warnen beide vor einem unkritischen Einsatz. Themen wie Datenschutz, Halluzinationen oder sogenannte Prompt-Injections – also manipulierte Eingaben, die Agentensysteme beeinflussen – bleiben wichtige Herausforderungen. „Man muss immer kontrollieren, was ein Agent macht“, betont Jasmin. „Am Ende tragen Unternehmen weiterhin die Verantwortung für die Ergebnisse.“

„Die Fähigkeiten, die Menschen besonders machen, bleiben zentral“, sagt Leon. „Empathie, Kreativität, Zuhören oder langfristige Entscheidungen – das kann KI nicht einfach ersetzen.“ Vielmehr entstehe gerade eine neue Rolle des Menschen in der Arbeitswelt: weniger reines Abarbeiten, mehr Steuern, Koordinieren und Entscheiden. Der Mitarbeitende werde zunehmend zum „Orchestrator“ digitaler Systeme.

Die Arbeitswelt vor dem nächsten Umbruch

Darin liegt auch die eigentliche Stärke dieser Entwicklung: KI-Agenten sollen Menschen nicht ersetzen, sondern Freiräume schaffen. Weniger Routine, weniger Copy-Paste, weniger Zeitverlust. Dafür mehr Raum für Ideen, Kommunikation und echtes Fachwissen.

Die Technologie arbeitet dabei immer unsichtbarer im Hintergrund. Sichtbarer wird dagegen etwas anderes: Unternehmen müssen lernen, schneller zu denken, flexibler zu handeln und Wissen neu zu organisieren. Die Frage ist längst nicht mehr, ob KI-Agenten Teil des Arbeitsalltags werden. Sondern wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind.

 

Dieser Artikel wurde in Kooperation mit dem CyberLab Karlsruhe erstellt. Das CyberLab ist die zentrale Anlaufstelle für Startups und Gründungsinteressierte im IT-Bereich.
Bist du auch gerade dabei, dein eigenes Unternehmen zu gründen und brauchst Starthilfe oder Gründungsberatung? Das CyberLab hilft dir gerne weiter. Hier findest du alle wichtigen Infos.