Die Energiewirtschaft steht unter hohem Veränderungsdruck. Neue regulatorische Vorgaben, digitale Technologien und die Anforderungen der Energiewende zwingen Unternehmen dazu, schneller zu innovieren als je zuvor. Umso wichtiger werden Formate, die etablierte Unternehmen und Startups gezielt zusammenbringen. Das KI-Innovation Lab des CyberForum bringt Unternehmen mit jungen Technologieunternehmen aus seinem Startup-Netzwerk CyberLab zusammen, um neue Lösungen gemeinsam zu testen und schneller in die Praxis zu bringen.
Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Karlsruhe und ihrer Innovationstochter SWK Novatec. Die Novatec ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke Karlsruhe und verantwortet dort die operative Innovationsarbeit. Gemeinsam mit den Fachbereichen entwickelt das Team neue Lösungen entlang des bestehenden Geschäfts. Von digitalen Produkten über effizientere Prozesse bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Stadtwerke Karlsruhe verfolgen dabei bewusst einen strukturierten Venture-Clienting-Ansatz und steuern Innovationspartnerschaften aktiv über ihre 100%ige Tochter SWK Novatec. Ziel ist es, neue Technologien nicht nur zu testen, sondern gezielt in skalierbare Geschäftsmodelle zu überführen.
„Wir als SWK Novatec fungieren ein Stück weit als Schnittstelle zwischen der Energiewirtschaft und der Startup-Welt“, sagt Novatec-Geschäftsführer Marcel Böttner. Gleichzeitig arbeitet sein Team eng mit den Fachbereichen der Stadtwerke zusammen, um neue Technologien und Ideen frühzeitig in konkrete Anwendungen zu überführen. „Wir glauben, dass wir durch die Zusammenarbeit mit Startups schneller neue Impulse bekommen und ein noch besseres Verständnis dafür entwickeln, wohin sich der Energiemarkt gerade bewegt.“
Beim Venture Clienting arbeiten Unternehmen mit Startups zusammen
Der Austausch mit Startups sei für das Team der SWK Novatec nicht nur fachlich interessant, sondern auch persönlich inspirierend. „Es ist einfach cool zu sehen, wenn jemand wirklich für sein Thema brennt und Dinge voranbringen will“, erzählt Marcel.
Die Rolle der Stadtwerke-Innovationstochter besteht häufig darin, beide Seiten zusammenzubringen und Innovation gemeinsam mit den Fachbereichen in konkrete Projekte zu übersetzen. Startups erhalten Zugang zu den Fachbereichen der Stadtwerke, während die Fachabteilungen einen Einblick in neue Technologien und Geschäftsmodelle bekommen.
Gleichzeitig unterstützt die Novatec die Fachbereiche aktiv dabei, Innovationspotenziale entlang des bestehenden Geschäfts zu identifizieren. Etwa beim Aufbau neuer digitaler Produkte, bei Effizienzsteigerungen oder beim Einsatz von KI.
Doch der Austausch zwischen diesen beiden Welten braucht Vermittlung. „Da treffen zwei Systeme aufeinander, die ganz unterschiedliche Erwartungen und Arbeitsweisen haben“, sagt Marcel. Startups hoffen häufig auf schnelle Entscheidungen und Pilotprojekte, während große Organisationen naturgemäß komplexere Entscheidungsprozesse haben.
Eine Möglichkeit, diese beiden Welten miteinander zu verbinden, ist Venture Clienting: Unternehmen arbeiten mit Startups zusammen, testen deren Lösungen in konkreten Projekten und entwickeln sie gemeinsam weiter. Auch über die Stadtwerke Karlsruhe hinaus arbeitet die Novatec dabei mit Partnern aus der kommunalen Energiewirtschaft zusammen und bringt Erfahrungen aus verschiedenen Kooperationen in solche Projekte ein.
Vom Startup zur Pilotlösung
Wenn eine Zusammenarbeit zustande kommt, steht meist ein klar umrissenes Problem im Mittelpunkt. „Unser Ziel ist es, gemeinsam einen Prototypen oder einen Proof of Concept zu entwickeln – und daraus möglichst schnell eine Anwendung abzuleiten, die im Unternehmen tatsächlich eingesetzt werden kann“, erklärt Marcel. Über mehrere Monate hinweg arbeiten Startup, Fachbereich und Innovationsteam zusammen, um eine Lösung zu testen und anschließend zu prüfen, wie sie in den operativen Betrieb überführt und skaliert werden kann.
Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Einführung dynamischer Stromtarife. Getrieben durch regulatorische Veränderungen suchten die Stadtwerke nach einer attraktiven Lösung für ihre Kundinnen und Kunden. „Wir wollten nicht nur irgendeine Basislösung anbieten, sondern eine wirklich gute und nutzerfreundliche Umsetzung finden. „Der Fokus liegt dabei konsequent auf der Überführung in den operativen Betrieb und der Skalierung – mit messbarem Mehrwert für Kunden, Effizienz und Ergebnisbeitrag“, sagt Marcel. Über Startup-Kontakte konnten passende Partner identifiziert werden, mit denen schließlich eine Zusammenarbeit entstand. Ziel war es dabei nicht nur, eine Lösung zu testen, sondern ein skalierbares Angebot zu entwickeln, das langfristig in das Produktportfolio und die Wertschöpfung der Stadtwerke integriert werden kann.
„Unternehmen müssen bereit sein, Kooperationen einzugehen“
Trotz solcher Beispiele ist die Zusammenarbeit nicht immer einfach. Ein entscheidender Faktor sei das Mindset der beteiligten Organisationen. „Die Zusammenarbeit kann herausfordernd sein. Wenn sie aber gelingt, wachsen alle daran“, sagt Marcel. Unternehmen müssten bereit sein, neue Ideen zuzulassen und Kooperationen einzugehen. „Etablierte Organisationen können von Startups lernen, noch stärker in Netzwerken zu denken. Für viele Herausforderungen gibt es die passenden Partner, die neue Lösungen haben.“
Marcel beobachtet jedoch auch eine positive Entwicklung bei den Stadtwerken. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken Karlsruhe und der Novatec habe sich viel verändert. „Wir sind heute noch offener und kooperativer geworden. Seit meinem Einstieg bei den Stadtwerken haben wir uns der Innovation verschrieben und uns technologisch wie kulturell deutlich weiterentwickelt.“
Erwartungshaltungen bremsen
Wenn Kooperationen scheitern, liegt das oft weniger an der Technologie als an den Erwartungen beider Seiten. „Startups erwarten manchmal, dass Entscheidungen sehr schnell fallen“, erklärt Marcel. Auf der anderen Seite wünschen sich große Unternehmen oft eine hundertprozentig sichere Lösung.
Doch genau das sei bei jungen Unternehmen naturgemäß nicht möglich. „Wenn man absolute Sicherheit will, muss man vielleicht zu einem etablierten Anbieter gehen“, sagt er. Wer mit Startups arbeite, brauche auch eine gewisse Offenheit für Experimente und für das Risiko, dass nicht jedes Projekt erfolgreich endet.
Innovation entsteht im Austausch
Ein Format des CyberForum, das diesen Austausch besonders gut ermöglicht, ist das Innovation Breakfast, das gemeinsam mit dem CyberLab veranstaltet wird. Für Marcel liegt der große Vorteil darin, dass Gespräche hier deutlich tiefer gehen können als bei klassischen Pitch-Veranstaltungen. „Bei vielen Events sieht man einen Pitch nach dem anderen“, sagt er. „Beim Innovation Breakfast hat man wirklich Zeit, Fragen zu stellen und zu verstehen, was ein Startup tatsächlich kann.“
Beim jüngsten Innovation Breakfast stellte etwa das Startup Sensaru seine Lösung im Detail vor – inklusive technischer Einblicke und praktischer Anwendungsfälle. Für Unternehmen wie die Stadtwerke Karlsruhe ist genau dieser intensive Austausch besonders wertvoll.
Ein starkes Netzwerk für Innovation
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das regionale Startup-Ökosystem rund um das CyberForum und das CyberLab, das von den Stadtwerken Karlsruhe seit vielen Jahren unterstützt wird. „Das Netzwerk ist extrem interessant und hilfreich für uns“, sagt Marcel. Veranstaltungen, Austauschformate und die enge Verbindung zu jungen Unternehmen seien ein wichtiger Teil der Innovationsstrategie. „Für die Stadtwerke Karlsruhe ist das Netzwerk dabei kein Selbstzweck, sondern Teil einer klar gesteuerten Innovationsstrategie mit dem Anspruch, neue Lösungen schneller als der Markt in die Anwendung zu bringen.“
Für ihn ist klar: Eine starke Startup-Szene nützt nicht nur den Gründern selbst, sondern auch etablierten Unternehmen. „Wenn wir hier in der Region ein starkes Ökosystem aufbauen, profitieren am Ende alle davon.“ Gerade in Karlsruhe sieht er dafür gute Voraussetzungen. „Wir haben vielleicht nicht die Schlagkraft von Berlin oder München“, sagt Marcel. „Aber was IT und KI angeht, sind wir hier schon ziemlich gut unterwegs.“ Genau deshalb lohnt sich der Blick über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus. Besonders in einer Branche, die sich gerade fundamental verändert.
Wenn ihr auch herausfinden wollt, welche KI-Anwendungen in eurem Unternehmen wirklich Potenzial haben oder welche Startups zu Ihren Herausforderungen passen könnten, lohnt sich ein Gespräch mit dem Team des KI-Innovation Lab. Ansprechpartnerin ist Isabel Ernst, die Unternehmen bei den ersten Schritten begleitet und passende Kontakte ins Netzwerk vermittelt.
Isabel Ernst
Projektleitung KI-Innovation Lab
isabel.ernst@cyberforum.de
0721.602 897-717



















