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WebMeister360 entwickelt eine intelligente Lösung für Großküchen: Mit einem KI-gestützten Hardware- und Software-System sollen Prozesse effizienter gestaltet und Lebensmittelabfälle besser nachvollziehbar gemacht werden. Das Startup verbindet dabei Technologie mit operativer Praxis und richtet sich an Einrichtungen wie Mensen, Kliniken oder Cateringbetriebe. Im Interview beantwortet das Team die bekannten zehn GründerView-Fragen.

Euer Startup in einem Tweet?

Wir entwickeln IOMS (Inventory & Order Management System), ein KI-gestütztes Hardware- und Software-System für Großküchen, das Lebensmittelabfälle direkt am Entstehungsort erfasst und Einkauf, Produktion sowie operative Entscheidungen so steuert, dass Abfall, Kosten und CO2-Emissionen messbar sinken.

Wie ist eure Geschäftsidee entstanden; was war der initiale Funke?

Die Idee zu IOMS ist aus einem sehr praktischen Problem entstanden, das wir bei der Digitalisierung von Food-Betrieben immer wieder gesehen haben. In Großküchen laufen Kassensystem, Einkauf, Bestand, Produktion und Entsorgung oft in getrennten Tools oder sogar in Excel, sodass niemand sauber beantworten kann, welche Gerichte, Schichten oder Prozesse eigentlich den meisten Abfall verursachen.

Je tiefer wir uns damit beschäftigt haben, desto klarer wurde: Das Problem ist nicht fehlendes Bewusstsein, sondern fehlende Daten und unterbrochene Arbeitsabläufe. Wir wollten deshalb eine Lösung bauen, die Abfall nicht nur dokumentiert, sondern ihn operativ steuerbar macht. Genau daraus ist IOMS entstanden.

Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden?

Wir sind ein vierköpfiges Gründerteam mit komplementären Rollen. Sampoorna Sahoo verantwortet als CEO Go-to-Market, Vertrieb, Partnerschaften und Strategie. Waleed Arshad kümmert sich als COO um operative Umsetzung, Hardware-Prototyping und Pilotmanagement. Nishant Chaturvedi verantwortet als CTO Produkt, Systemarchitektur und KI-Komponenten. Noman Alvi deckt als CFO Finanzmodell, Pricing, Fundraising und Reporting-Logik ab.

Gefunden haben wir uns über gemeinsame Schnittmengen in Technologie, Business und Digitalisierung. Was uns verbindet, ist weniger ein einzelner Zufallsmoment als eine gemeinsame Haltung: Wir wollen kein schönes PowerPoint-Produkt bauen, sondern ein System, das in echten Küchen unter echtem Zeitdruck funktioniert.

Wer profitiert von eurer Idee und warum?

Direkt profitieren Großküchen in der öffentlichen und gewerblichen Verpflegung, also zum Beispiel Mensen, Krankenhausküchen, Schul- und Kitaküchen, Senioreneinrichtungen, Caterer oder Multi-Site-Hotel- und Restaurantgruppen. Dort entstehen jeden Tag hohe Kosten durch Überproduktion, Tellerreste, Lagerverluste und fehlende Transparenz.

Davon profitieren aber nicht nur die Betreiber selbst. Wenn weniger Lebensmittel im Abfall landen, werden Budgets entlastet, Prozesse stabiler und Nachhaltigkeitsziele messbar erreichbar. Gerade in öffentlichen Einrichtungen ist das relevant, weil dort Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachweisbarkeit immer stärker zusammen gedacht werden müssen.

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus – gibt es überhaupt schon so etwas wie einen „Alltag“?

Einen klassischen Gründeralltag gibt es bei uns ehrlich gesagt noch nicht. Ein Teil unserer Woche besteht aus Produktarbeit, also Hardware, Datenmodell, Software und KI. Der andere Teil dreht sich um Gespräche mit Pilotpartnern, Betreibern, Acceleratoren, Förderprogrammen und potenziellen Multiplikatoren.

Im Moment ist unser Alltag stark durch Pilotvorbereitung geprägt. Das heißt konkret: sehr viele Abstimmungen, sehr viel Feedback aus der Praxis, technische Verprobung und gleichzeitig viel Arbeit an Positionierung, Go-to-Market und Fundraising. Es ist also weniger Routine und mehr permanentes Priorisieren.

Weshalb habt ihr euch für einen Accelerator wie das CyberLab entschieden?

CyberLab passt für uns sehr gut, weil wir an der Schnittstelle von KI, Hardware, Software und operativer Umsetzung arbeiten. Genau dort helfen ein starkes Netzwerk, ehrliches Sparring und strukturierte Unterstützung enorm. Für uns geht es aktuell darum, aus validiertem Problemverständnis und ersten LOIs skalierbare Piloten und einen belastbaren B2B-Go-to-Market zu machen.

Dazu kommen Themen wie Datenschutz, Security-by-Design, Integrationen, Compliance und öffentliche Beschaffungslogik. Das sind genau die Punkte, bei denen ein gutes Accelerator-Umfeld nicht nur Kontakte liefert, sondern auch viele Fehler früher sichtbar macht.

Welches Startup hat euch am meisten begeistert oder inspiriert?

Im Food-Waste-Bereich schauen wir natürlich auf Unternehmen wie Winnow, Leanpath oder Kitro, weil sie gezeigt haben, dass Lebensmittelabfall in Profiküchen überhaupt als technologisches Problem adressierbar ist. Inspirierend ist für uns dabei weniger ein einzelner Name als die Erkenntnis, dass aus einem lange ignorierten operativen Schmerzpunkt ein echtes Marktsegment entstehen kann.

Gleichzeitig begeistern uns Startups, die aus komplexen B2B-Problemen klare, nutzbare Systeme machen. Genau das ist auch unser Anspruch mit IOMS: nicht einfach ein weiteres Reporting-Tool zu bauen, sondern einen echten operativen Regelkreis für Großküchen.

Was ist der nächste große Schritt?

Der nächste große Schritt ist für uns die Pilotumsetzung in realen Küchenumgebungen. Ein Pilot mit dem Studierendenwerk Tübingen ist in Vorbereitung, weitere Pilotgespräche laufen mit Partnern aus dem Umfeld von Stadt Reutlingen, Klinikum und Altenhilfe. Dort wollen wir zeigen, dass IOMS nicht nur im Konzept und Prototypenstadium überzeugt, sondern im Küchenalltag messbare Wirkung erzielt.

Parallel dazu arbeiten wir an der Industrialisierung unserer Hardware, an standardisierten Onboarding-Prozessen und an einem skalierbaren Rollout-Modell. Kurz gesagt: Der nächste Schritt ist der Übergang von starker Validierung zu belastbarer Umsetzung in der Praxis.

Über welche Stolpersteine musstet ihr während der Gründung steigen?

Die größte Herausforderung ist, dass wir kein reines Software-Startup sind. Wir bauen an einer Lösung, die Hardware, KI, operative Prozesse, Datenintegration und Compliance zusammenbringen muss. Das macht die Umsetzung deutlich anspruchsvoller, weil man nicht nur ein Produkt baut, sondern auch reale Einsatzbedingungen, Hygieneanforderungen, Beschaffungszyklen und organisatorische Hürden mitdenken muss.

Ein weiterer Stolperstein ist die Komplexität öffentlicher und institutioneller Strukturen. Dort reicht es nicht, eine gute Idee zu haben. Man muss sehr genau verstehen, wer entscheidet, wer beeinflusst, welche Anforderungen an Datenschutz, Reporting und Nachweisbarkeit gestellt werden und wie man Piloten so aufsetzt, dass daraus später echte Verträge entstehen.

Habt ihr einen Rat oder Tipp an andere Gründer:innen?

Sprecht so früh wie möglich mit echten Nutzerinnen und Nutzern und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Viele Ideen klingen im eigenen Kopf logisch, scheitern aber an der Realität des Alltags. Je früher man versteht, wie Entscheidungen tatsächlich getroffen werden und wo die echten Schmerzen liegen, desto besser wird das Produkt.

Und zweitens: Man sollte sich nicht davon entmutigen lassen, dass komplexe B2B-Probleme länger brauchen. Gerade wenn man an einem schwierigen, wenig glamourösen Thema arbeitet, dauert es oft, bis andere das Potenzial wirklich sehen. Wenn das Problem real ist und man nah genug an den Nutzern bleibt, lohnt sich diese Beharrlichkeit.